Das kleine Herz


Das kleine Herz schlug stark und wild in der Brust und da beschloss es auszustreifen, um sein Glück zu suchen. Nach langer Suche begegnete das kleine Herz der Liebe. Es fand Gefallen an der Liebe und so fragte das Herz die Liebe, ob sie den weiteren Weg nicht zusammengehen sollten.
Die Liebe überlegte nicht lange und gesellte sich zu dem Herz, das nun noch stärker schlug und mächtig gegen das Böse gerüstet war. Die Liebe half dem Herz, wo sie nur konnte. Das Herz war glücklich und dachte bei sich: ?Endlich habe ich mein Glück gefunden.?
Das ging eine Weile gut. Das Herz und die Liebe waren nicht zu trennen und beide gingen entschlossen zusammen ihren gemeinsamen Weg.
In der Ferne ballten sich gewaltige Stürme auf, doch das Herz dachte: 'Wir beide schaffen das schon, wäre doch gelacht, wenn wir das nicht hin bekommen würden.' Und die Liebe sagte zu, dass sie den ganzen Weg zusammengehen würden, über alle Schwierigkeiten hinweg und jedem Hindernis würden sie sich stellen, egal, wie hoch es war.
Es kamen viele glückliche Zeiten und die Liebe und das Herz wuchsen zusammen; waren eine Einheit, wodurch sie beide noch stärker wurden. Nichts und niemand konnte die beiden aufhalten. Unbeirrbar gingen sie ihren Weg, doch dunkle Wolken zogen auf und das kleine Herz klammerte sich an die Liebe und sie überstanden den ersten Sturm. Bald sollten noch schlimmere Stürme aufziehen, doch beide dachten nicht daran, aufzugeben.
Wieder verging einige Zeit, doch dann war er da: ein Sturm, wie sie ihn noch nicht erlebt hatten. Und wieder klammerte sich das Herz an die Liebe.
Doch was tat da die Liebe? Sie riss sich von dem Herz los, das tiefe wunder dabei bekam. Das Herz rief der Liebe hinterher, doch sie reagierte nicht mehr. Ging unbeirrbar fort, ohne sich noch einmal umzudrehen, ohne sich zu verabschieden, ohne ein Wort ging die Liebe und ließ das kleine Herz blutend und mit tiefen Wunden auf dem Boden zurück.
Die Liebe ging weg von dem Sturm, der immer näher kam. Doch das Herz blieb zurück, wie es war, klein, kaum noch schlagend und verletzt.
Da kam der Sturm und das kleine Herz hatte keine Kraft mehr sich zu wehren. Es wurde hinein gezogen in den Sturm, dort wirbelte es umher und wurde immer weiter zerrissen. Sein einst so starker Wille war kaum noch zu spüren. Es schlug kaum noch. Von der einstigen Kraft und Energie war fast nichts mehr übrig. Das Blut des kleinen Herzens floss aus allen Schnitten und Fetzen heraus und der Lebenssaft wollte versiegen. Mit einem letzten Aufbäumen überwand das kleine Herz den Sturm und lag nun auf dem Boden im Staub.Um sich herum eine rote Lache aus Blut. Nur noch zucken konnte es. Das kleine Herz. Kaum noch Kraft und Energie für den weiteren Lebensweg. So lag es da und konnte sich nicht wehren gegen den nächsten Sturm. Langsam verzweifelte es. Die Kraft schwand weiter und das Herz wartete nur noch auf das Ende. Am Ende könne es wenigstens aufhören zu schlagen, aufhören zu suchen und sich dem ewigen Schlaf hingeben.
In seinen letzten Gedanken schwor sich das Herz, solle es noch einmal heilen, würde es nie wieder so blind jemandem vertrauen und sich selbst nie wieder opfern. Nie wieder würde es das sichere Heim verlassen, sollte es jemals die Verwundungen überstehen.
Das war das letzte Aufbäumen und nun ist das Herz tot.
Es verwandelte sich in Stein und wird nie wieder schlagen.
Kalt und hart ist es nun. Unverletzlich und grau. Nie wieder wird es leuchten, nie wieder Freude, Schmerz und Kummer spüren. Es wird jedem Sturm, der da kommen mag, alleine entgegenstehen, wie ein Fels im Winter. Kalt, hart, grau und mit eisiger Kälte überzogen.